Dynamische Tarife

Smarter Strom statt teurer Netzausbau

Digitalisierung
Dynamische Tarife
~10
Beteiligte Energieversorgungsunternehmen
Über 250
Involvierte Endkund:innen
Ja
Grösstes Pilotprojekt der Schweiz

Die steigende Elektrifizierung in der Mobilität und in Gebäuden verursacht künftig neue lokale Engpässe im Stromnetz von Stadtwerken – Engpässe, die einen kostenintensiven Netzausbau notwendig machen würden. Dynamische Preissignale sind eine smarte Alternative: Sie veranlassen Endkund:innen zur netzdienlichen Optimierung und entlasten das Netz – ohne Komforteinbussen.

Warum dieser Ansatz jetzt zählt

Bisher kannte man in der Schweiz hauptsächlich starre, konstante Stromtarife. Ab 2026 ermöglichte eine regulatorische Anpassung, die Preisstruktur dynamischer zu gestalten. Swisspower hat diese Entwicklung früh antizipiert und testet seit 2025 gemeinsam mit rund zehn Energieversorgungsunternehmen in mehreren Pilotprojekten die Einführung dynamischer Stromtarife.

Drei Leuchtturmprojekte, ein Ziel

Im Zentrum stehen drei besonders erwähnenswerte Projekte: Das Forschungsprojekt ESIT – «Entlastung im Stromnetz durch innovative Netztarife» – wird gemeinsam mit der ZHAW und sieben Netzbetreibern durchgeführt. Im Rahmen des Pilotprojekts werden verschiedene Tarifstrukturen getestet und evaluiert, wobei der Fokus auf einem 15-Minuten-Day-Ahead-Tarif liegt, der den Kund:innen jeweils für den Folgetag übermittelt wird.

Das zweite Projekt ist ein Pilotprojekt bei einem Energieversorgungsunternehmen – mit über 250 Endkund:innen das bisher grösste Pilotprojekt der Schweiz im Bereich dynamische Stromtarife. Das Pilotprojekt zum Testen der Tarifsignale lief von Juli 2025 bis circa März 2026.

Des Weiteren hat Swisspower ein Energieversorgungsunternehmen bei der Einführung eines dynamischen Wahltarifs per 1. Januar 2026 begleitet. Dazu wurde im Frühjahr 2025 eine mehrmonatige Testphase zu dynamischen Netznutzungstarifen erfolgreich durchgeführt und der finale Wahltarif definiert.

Das InnoStrom-Tool: das Herzstück der Lösung

Für die Einführung von dynamischen Tarifen hat Swisspower das InnoStrom-Tool entwickelt: Basierend auf einer Netzlast-Prognose des Energieversorgungsunternehmens werden mit Algorithmen die jeweiligen Preissignale berechnet und auf einer Schnittstelle zum Abruf bereitgestellt. Bis 16:00 Uhr wird für den Folgetag das Preissignal, bestehend aus 15-Minuten-Werten, publiziert – die Home Energy Management Systeme (HEMS) rufen es täglich automatisiert ab und planen die flexiblen Lasten entsprechend. HEMS sind intelligente Steuerungssysteme, die den Energieverbrauch im Haushalt – etwa von Wärmepumpen, Elektrofahrzeugen oder Boilern – automatisch auf Zeiten mit günstigen Tarifen ausrichten. Im Jahr 2025 wurde das InnoStrom-Tool erfolgreich weiterentwickelt, und es wurden messbare Fortschritte bei der Konzeption der Tarifsignale erzielt.

Ehrliche Bilanz: Was funktioniert – und wo es noch hapert

2025 hat sich gezeigt, dass die Umsetzung dynamischer Stromtarife herausfordernder ist als ursprünglich erwartet. Swisspower hat beobachtet, dass die Lastgänge bei Endkund:innen, die viele Lasten an ihrem HEMS angeschlossen haben, oft optimiert wurden. Dieses positive Verhalten konnte insbesondere bei den Endkund:innen des Werks beobachtet werden, was den Einführungsentscheid bekräftigte. Allerdings reagieren in den beiden Pilotprojekten gewisse Kund:innen nicht oder kaum auf das dynamische Preissignal – dieses Verhalten wurde insbesondere bei Kund:innen beobachtet, die wenige Lasten am HEMS angeschlossen hatten. Swisspower analysiert gemeinsam mit den HEMS-Anbietern und der Forschungspartnerin ZHAW mögliche Ursachen und ist dadurch aktiv in die Weiterentwicklung involviert.

Erkenntnisse 2025: wertvolle Learnings für eine skalierbare Lösung

2025 hat sich gezeigt, dass die Einführung dynamischer Stromtarife präzise Vorbereitung und enge Zusammenarbeit erfordert – und genau das zahlt sich aus: Bei Endkund:innen mit mehreren am HEMS angeschlossenen Lasten konnte eine klare Optimierung der Lastgänge beobachtet werden. Besonders erfreulich war das Verhalten bei den Kund:innen des Energieversorgungsunternehmens, was den Einführungsentscheid eindrücklich bestätigte. Gleichzeitig hat Swisspower wichtige Erkenntnisse darüber gewonnen, unter welchen Voraussetzungen dynamische Preissignale ihre volle Wirkung entfalten. In enger Zusammenarbeit mit den HEMS-Anbietern und der Forschungspartnerin ZHAW werden diese Erkenntnisse gezielt in die Weiterentwicklung eingespeist.

Starkes Fundament – und ein klarer Weg nach vorne

Die Pilotprojekte 2025 haben eindrücklich gezeigt: Mit der richtigen Vorbereitung funktioniert die Einführung dynamischer Netznutzungstarife. Die Entlastungswirkung für das Verteilnetz entfaltet sich als Ergebnis eines nachhaltigen Prozesses – und wächst mit jeder Kund:in, die auf dynamische Tarife umsteigt. Swisspower ist überzeugt, dass dynamische Tarife Verteilnetzbetreibern eine attraktive und zukunftsfähige Möglichkeit bieten, ihr Netz intelligent zu steuern – und verfügt über das Know-how und die Tools, um Energieversorgungsunternehmen auf diesem Weg erfolgreich zu begleiten.

Gabriel Chavanne

Gabriel Chavanne

Head Smart Solutions