Von der Vision zur Entscheidung: Swisspower begleitet erzo auf dem Weg zur Energiezentrale der Zukunft

Ein Generationenprojekt unter Druck

Energiedienstleistungen
Von der Vision zur Entscheidung: Swisspower begleitet erzo auf dem Weg zur Energiezentrale der Zukunft
160'000 t/Jahr
Kapazität neue KVA
~CHF 250 Millionen
Investitionsvolumen
Anfang 2030er Jahre
Geplante Inbetriebnahme

Die erzo Entsorgung Region Zofingen steht vor der grössten Weichenstellung ihrer Geschichte. Die bestehende Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) in Oftringen, in den 1970er-Jahren gebaut und 1992 technisch erneuert, kommt nach über 30 Jahren Betrieb an ihr Lebensende. Gleichzeitig wächst der regionale Bedarf an erneuerbarer Energie und klimafreundlicher Wärme. Die Frage ist nicht ob, sondern wie die Anlage erneuert wird – und diese Frage hat 2025 eine klare Antwort erhalten.

Swisspower als Beraterin im Schlüsseljahr

Thomas Peyer, Head Consulting bei Swisspower AG, übernahm im Rahmen eines Beratungsmandats die Geschäftsleitung der erzo-Gemeindeverbände – und band Swisspower damit in die strategische Weiterentwicklung des Standorts Oftringen ein. 2025 war dabei ein entscheidendes Jahr: Die politischen, rechtlichen und technischen Grundlagen für das Generationenprojekt «enphor» – Energieerzeugung, -nutzung und Phosphor-Rückgewinnung – wurden massgeblich vorangetrieben. Swisspower unterstützte erzo bei der Analyse der Handlungsoptionen, der Bewertung alternativer Lösungsansätze und der Vorbereitung der Entscheidungsgrundlagen.

Projekt Renzo: Der Ersatzbau gewinnt Form

Das Herzstück des Zielbilds «enphor» ist das Abfallkraftwerk Renzo – ein geplanter Ersatzbau südlich der bestehenden KVA mit einer Kapazität von 160'000 Tonnen Abfall pro Jahr, mehr als doppelt so viel wie heute. Am 9. September 2025 beschloss der Grosse Rat des Kantons Aargau einstimmig (131:0 Stimmen) die Festsetzung eines Richtplaneintrags für das Abfallkraftwerk – ein politisches Bekenntnis zum Standort Oftringen. Die Trägerschaft ist klar: Renergia Zentralschweiz AG übernimmt 65%, der Gemeindeverband erzo KVA 35% der geplanten Aktiengesellschaft. Investitionsvolumen: rund 250 Mio. CHF, davon kein Steuergeld der Verbandsgemeinden.

Fernwärme, Klärschlamm, Phosphor – drei verknüpfte Projekte

Parallel zum Ersatzbau KVA wurden 2025 zwei weitere Teilprojekte des Zielbilds «enphor» konkret: Im September 2025 gründeten StWZ Energie AG und Primeo Wärme AG die Fernwärme Unteres Wiggertal AG (FUWI), die künftig das Wärmenetz in der Region Oftringen/Zofingen und später bis Rothrist, Aarburg und Strengelbach ausbaut. Zudem genehmigte die Abgeordnetenversammlung der erzo ARA den Verpflichtungskredit für das Bauprojekt Klärschlammtrocknung: Der veraltete Klärschlammofen wird durch eine moderne Trocknungsanlage (Kapazität 34'000 Tonnen) ersetzt, die als Vorstufe zum Phosphor-Recycling dient und ab ca. 2029 Prozesswärme aus der neuen Fernwärmezentrale bezieht. Die Phosphor-Rückgewinnung direkt am Standort Oftringen ist derweil sistiert, da die national notwendigen Kapazitäten durch andere Anlagenstandorte bereits abgedeckt werden.

Neue KVA, doppelter Nutzen

Die neue Anlage kann jährlich rund 30'000 Haushalte mit regionalem Strom und 15'000 Haushalte mit klimafreundlicher Fernwärme versorgen – das Fünffache der heutigen Wärmeversorgung. Die energetische Nettoeffizienz steigt von heute ca. 60% auf über 80%. Der CO₂-Ausstoss pro Tonne verwerteten Abfall sinkt um 25%. Gleichzeitig ermöglicht der Ersatzbau eine solidarische Risikoverteilung: Durch die Partnerschaft mit Renergia trägt der Gemeindeverband erzo KVA nur 35% der Investition – ohne Steuergelder der Verbandsgemeinden.

Ausblick: Detailplanung startet nach Einzonungsentscheid

Nach positivem Entscheid der Gemeindeversammlung Oftringen über die Einzonung der Parzelle 420 (knapp 1,5 Hektaren Landwirtschaftszone → Zone für öffentliche Bauten und Anlagen) startet die Front-End-Engineering-Design-Phase (FEED-Phase). Im Herbst 2026 soll ein verbindliches Lieferangebot für die Ausgestaltung der Neuanlage vorliegen. Die Inbetriebnahme des neuen Abfallkraftwerks ist für Anfang der 2030er Jahre geplant – ein Meilenstein für die Energieversorgung und Abfallentsorgung der gesamten Region Zofingen für die nächsten 40 Jahre.

Thomas Peyer

Thomas Peyer

Head Consulting